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Eine sichere Zukunft für Shihab
Krisengebiet Westbank, ein kleines Dorf, ungefähr eine Autostunde entfernt von Bethlehem: In ärmlichsten Verhältnissen lebt hier die Familie des erst 14 Monate alten Shihab. Sein Vater Fares ist 31 Jahre alt und muss seine Familie als Tagelöhner in Hebron City über Wasser halten. Es will einfach nicht klappen mit einer Arbeitsstelle in Jerusalem, wo er wesentlich besser entlöhnt würde als in der Westbank. Mit dem spärlichen Einkommen versucht seine 30-jährige Frau Ni’mat die sieben Söhne im Alter zwischen ein und zehn Jahren so gut, wie es eben geht, durchzubringen. Dabei lebt die Familie auf engstem Raum. Kinder und Eltern schlafen auf Matratzen am Boden. Jeder Tag ist für sie ein Ringen ums Überleben. Und was für unsere europäischen Verhältnisse undenkbar erscheint, ist hier bittere Realität: Auch der älteste Sohn ist in diesen verzweifelten Kampf bereits eingebunden, sammelt, ganze zehn Jahre jung, unter anstrengendsten Bedingungen Eisenabfälle, die er in der Nachbarschaft verkauft. Natürlich kommt dabei nur ein kleiner Beitrag an die täglich anfallenden Familienkosten zusammen, aber immerhin! In dem Land, das nur wenige Flugstunden von uns entfernt ist und in einem Gebiet, das wir als das „Heilige Land“ bezeichnen, ist jeder Rappen wertvoll.
Hartes Schicksal
In diesen prekären Verhältnissen also lebt der kleine Shihab. Doch wie wenn damit noch nicht genug wäre, ist das jüngste Familienmitglied von einem zusätzlichen Schicksalsschlag getroffen, und mit ihm natürlich die ganze Familie. Shihab leidet an CP, Cerebralparese. Das ist eine zerebrale Bewegungsstörung, die als Folge einer Schädigung des Gehirns vor, während oder kurz nach der Geburt entstanden ist. Sie bedeutet eine Störung der motorischen Fähigkeiten, die sich meistens als spastische Lähmungen äussern. Es können auch Epilepsie und geistige Behinderungen auftreten. Die Krankheit ist unheilbar – eine harte Diagnose, auch für die Eltern und Geschwister. Und es braucht sehr viel Kraft, in einer kleinen, ständig feuchten Wohnung ein behindertes Kind rund um die Uhr zu pflegen. Wo das Wasserangebot immer knapp und von sauberem Trinkwasser keine Rede ist. Aus zwei Zimmern besteht das Haus, und aus einer kleinen, engen Küche ohne Kühlschrank – in einem Land, in dem im Sommer brennend heisse Temperaturen an der Tagesordnung sind. Und eine Toilette, übrigens, die gibt es nur vor dem Haus. Nun gut, immerhin gibt es in allen Zimmern Fenster, wenn auch mit kaputten Glasscheiben, aber dafür weht immer eine frische Brise.
Zwischen verschiedenen Realitäten
Ein chronisch krankes Kind ist für jede Familie eine schwere Herausforderung, aber in der Westbank ganz besonders: Umso bewundernswerter erscheint uns hier Ni’mat, die ihren Jüngsten den ganzen Tag über liebevoll versorgt. Und umso absurder erscheinen uns vielleicht unsere Bilder vom gelobten Land angesichts solcher Realitäten: Die Bilder von diesem hügeligen Wüstengebiet mit seinen Sandsteinhäusern. Auf den ersten Blick zwar karg, aber ansprechend. Gerne auch orientalisch und mystisch empfunden. In Tat und Wahrheit aber ein Krisengebiet, dessen permanente politische Instabilität und Unsicherheit seine Bevölkerung krank macht, wenn auch in einem anderen Sinn als die CP unseren kleinen Shihab. Für ihn und seine Familie kommt dann auch noch erschwerend hinzu, dass die sozialen Einrichtungen und Kinderarztpraxen in der Westbank alles andere als vergleichbar sind mit denen, die wir aus Europa kennen.
Uneingeschränkte medizinische Versorgung
Und doch gibt es für Familien wie die von Shihab Hoffnung. An einem Ort, den wir praktisch nur im Zusammenhang mit den Weihnachtskollekten in der Kirche kennen: Das Kinderspital in Bethlehem. Gerne wird es als Insel des Friedens beschrieben, das den Ärmsten in der krisengeschüttelten Region Zuflucht bietet: Hier erhalten alle Kinder, unabhängig ihrer Herkunft und Religion, medizinische Hilfe. Und das auf einem Niveau, wie wir es uns im Westen gewohnt sind. Denn auch und gerade hier in diesem Land, wo Kinder unter unwürdigen Umständen leben, gibt es ein Anrecht auf schnelle und gute medizinische Versorgung! Im Caritas Baby Hospital wird Shihab darum kostenlos behandelt, seine Familie könnte sich die Therapien und Medikamente, die er braucht, ja gar nicht leisten. Seit Januar dieses Jahres musste der arme kleine Kerl schon neun Mal ins Spital gebracht werden. Akut leidet er an einer Harnweginfektion, verbunden mit Fieberkrämpfen, uns muss deshalb durch eine Nasensonde künstlich ernährt werden. Auch Nierensteine werden vermutet. Ohne die Hilfe des Kinderspitals Bethlehem hätte er keine Chance. Doch die Ärzte und das Pflegepersonal setzen zusammen mit Shihabs Eltern alles daran, die Krankheit medizinisch bestens zu behandeln und das Leiden zu verringern; einzigartig für die gesamte Westbank.
Mütter sind wichtig
Shihabs Mutter bleibt während der ganzen Behandlungen bei ihrem Sohn. Tag und Nacht. Das ist wichtig für den Heilungsprozess des kleinen Patienten und die Psyche der ganzen Familie. Das Kinderspital Bethlehem setzt stark auf die Einbindung der Mütter. Im Behandlungskonzept spielt darum auch die erweiterte Mütterschule eine wichtige Rolle. So werden die Mütter während des Spitalaufenthaltes ihrer Kinder in Pflege, Ernährung und Hygiene unterrichtet und erhalten wertvolle Tipps für Erste-Hilfe-Massnahmen wie auch Prävention. Zudem kann Caritas Baby Hospital 43 Müttern ermöglichen, rund um die Uhr bei ihren Kindern zu bleiben, was wie gesagt deren Heilungsprozess zusätzlich beschleunigt und den Familien Sicherheit gibt. Darüber hinaus hilft ein Team aus Sozialarbeiterinnen Familien, die in besonders schwierigen Verhältnissen leben. Sie bauen die Bindung zu den Kindern und Müttern bereits während dem Spitalaufenthalt auf. Ihre Arbeit zielt dabei bewusst auf die Hilfe zur Selbsthilfe anstelle von finanziellen Transferleistungen ab, damit keine Abhängigkeiten entstehen.
Freude trotz allem
Direkt am Grenzübergang zwischen israelischem Boden und dem Westjordanland im palästinensischen Autonomiegebiet liegt Bethlehem. Eine hohe Mauer, Wachtürme und bewaffnete Militärs am Checkpoint prägen das Bild der kleinen Stadt mit ihren rund 30 000 Einwohnern. Vom Mythos Bethlehem, wie wir ihn vielleicht aus dem Schulunterricht in Jugendtagen kennen, oder gar von weihnächtlicher Idylle ist wenig zu spüren. Und doch – oder vielleicht gerade deshalb – ist die Geschichte von Shihab so etwas wie eine kleine Weihnachtsgeschichte. Denn das Kinderspital Bethlehem ist tatsächlich so etwas wie eine Insel, auf der Barmherzigkeit gelebt wird. Praktisch autonom und unabhängig von der Realität ausserhalb der Spitalmauern, ist man hier in einer anderen Welt. Bereits im Eingangsbereich, auf grüner Wiese und unter Palmen, finden Manche Zeit und Musse zum Entspannen unter freiem Himmel, oder es spielen Kinder mit ihren Müttern. In dieser Welt gibt es auch eine eigene Apotheke, Wasseraufbereitungsanlage, Energieversorgung und Sauerstoffproduktion – und vorallem medizinisch hoch stehende Leistungen und eine ausgezeichnete Pflege. Es geht aber gerade auch um den Geist und die Stimmung, die am Kinderspital Bethlehem vorzufinden sind. Zum Beispiel dann, wenn Shihab plötzlich anfängt zu lachen, weil bei ihm und seinen Kameraden auf der Station die Clowns zu Besuch sind und den Kinderseelen ein Stück Freude und Geborgenheit zurückgeben. Seit zwei Jahren setzt das Caritas Baby Hospital auf diese Therapieform, bei der im Rhythmus von zwei Wochen ein Clownpaar zum Einsatz kommt, ausgewählt aus zwölf Mitarbeitenden, die neben ihrer eigentlichen Aufgabe am Kinderspital für die Clown-Therapie speziell geschult wurden. Überhaupt wird auf klassische Spitalatmosphäre wo immer möglich verzichtet, und so sind die Behandlungszimmer in der Regel farbenfroh bemalt und eingerichtet. Im Kontrast zum trüben Alltag draussen in der Westbank.
Insel der Hoffnung und des Friedens
Finanziert und betrieben wird das Kinderspital Bethlehem durch Spendengelder über die Kinderhilfe Bethlehem. Chefärztin Dr. Hiyam Marzouqua, zwölf weitere Ärztinnen und Ärzte sowie rund 80 Pflegerinnen kümmern sich hingabevoll um das Wohl der kleinen Patienten, die hier unabhängig ihrer Herkunft und Religion behandelt werden. „Wir sind da“, lautet die simple und gleichzeitig viel bedeutende Lösung des Kinderspitals, das im Grunde genommen tagtäglich nichts anderes tut, als das, was – unter den gegebenen politischen und geografischen Verhältnissen beinhahe als Ironie des Schicksals anmutet – im Thalmud steht: „Wer einem Einzelnen hilft, hilft der ganzen Menschheit.“ – Der kleine Shahib und seine Familie würden dies sicher bestätigen.
Weitere Informationen unter www.kinderhilfe-bethlehem.ch
Spenden:
Kinderhilfe Bethlehem
Spendenkonto PK 60-20004-7
IBAN CH17 0900 0000 6002 0004 7
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Weihnachtsreportage Kinderhilfe Bethlehem - eine wahre Geschichte
Eine sichere Zukunft für Shihab
Krisengebiet Westbank, ein kleines Dorf, ungefähr eine Autostunde entfernt von Bethlehem: In ärmlichsten Verhältnissen lebt hier die Familie des erst 14 Monate alten Shihab. Sein Vater Fares ist 31 Jahre alt und muss seine Familie als Tagelöhner in Hebron City über Wasser halten. Es will einfach nicht klappen mit einer Arbeitsstelle in Jerusalem, wo er wesentlich besser entlöhnt würde als in der Westbank. Mit dem spärlichen Einkommen versucht seine 30-jährige Frau Ni’mat die sieben Söhne im Alter zwischen ein und zehn Jahren so gut, wie es eben geht, durchzubringen. Dabei lebt die Familie auf engstem Raum. Kinder und Eltern schlafen auf Matratzen am Boden. Jeder Tag ist für sie ein Ringen ums Überleben. Und was für unsere europäischen Verhältnisse undenkbar erscheint, ist hier bittere Realität: Auch der älteste Sohn ist in diesen verzweifelten Kampf bereits eingebunden, sammelt, ganze zehn Jahre jung, unter anstrengendsten Bedingungen Eisenabfälle, die er in der Nachbarschaft verkauft. Natürlich kommt dabei nur ein kleiner Beitrag an die täglich anfallenden Familienkosten zusammen, aber immerhin! In dem Land, das nur wenige Flugstunden von uns entfernt ist und in einem Gebiet, das wir als das „Heilige Land“ bezeichnen, ist jeder Rappen wertvoll.
Hartes Schicksal
In diesen prekären Verhältnissen also lebt der kleine Shihab. Doch wie wenn damit noch nicht genug wäre, ist das jüngste Familienmitglied von einem zusätzlichen Schicksalsschlag getroffen, und mit ihm natürlich die ganze Familie. Shihab leidet an CP, Cerebralparese. Das ist eine zerebrale Bewegungsstörung, die als Folge einer Schädigung des Gehirns vor, während oder kurz nach der Geburt entstanden ist. Sie bedeutet eine Störung der motorischen Fähigkeiten, die sich meistens als spastische Lähmungen äussern. Es können auch Epilepsie und geistige Behinderungen auftreten. Die Krankheit ist unheilbar – eine harte Diagnose, auch für die Eltern und Geschwister. Und es braucht sehr viel Kraft, in einer kleinen, ständig feuchten Wohnung ein behindertes Kind rund um die Uhr zu pflegen. Wo das Wasserangebot immer knapp und von sauberem Trinkwasser keine Rede ist. Aus zwei Zimmern besteht das Haus, und aus einer kleinen, engen Küche ohne Kühlschrank – in einem Land, in dem im Sommer brennend heisse Temperaturen an der Tagesordnung sind. Und eine Toilette, übrigens, die gibt es nur vor dem Haus. Nun gut, immerhin gibt es in allen Zimmern Fenster, wenn auch mit kaputten Glasscheiben, aber dafür weht immer eine frische Brise.
Zwischen verschiedenen Realitäten
Ein chronisch krankes Kind ist für jede Familie eine schwere Herausforderung, aber in der Westbank ganz besonders: Umso bewundernswerter erscheint uns hier Ni’mat, die ihren Jüngsten den ganzen Tag über liebevoll versorgt. Und umso absurder erscheinen uns vielleicht unsere Bilder vom gelobten Land angesichts solcher Realitäten: Die Bilder von diesem hügeligen Wüstengebiet mit seinen Sandsteinhäusern. Auf den ersten Blick zwar karg, aber ansprechend. Gerne auch orientalisch und mystisch empfunden. In Tat und Wahrheit aber ein Krisengebiet, dessen permanente politische Instabilität und Unsicherheit seine Bevölkerung krank macht, wenn auch in einem anderen Sinn als die CP unseren kleinen Shihab. Für ihn und seine Familie kommt dann auch noch erschwerend hinzu, dass die sozialen Einrichtungen und Kinderarztpraxen in der Westbank alles andere als vergleichbar sind mit denen, die wir aus Europa kennen.
Uneingeschränkte medizinische Versorgung
Und doch gibt es für Familien wie die von Shihab Hoffnung. An einem Ort, den wir praktisch nur im Zusammenhang mit den Weihnachtskollekten in der Kirche kennen: Das Kinderspital in Bethlehem. Gerne wird es als Insel des Friedens beschrieben, das den Ärmsten in der krisengeschüttelten Region Zuflucht bietet: Hier erhalten alle Kinder, unabhängig ihrer Herkunft und Religion, medizinische Hilfe. Und das auf einem Niveau, wie wir es uns im Westen gewohnt sind. Denn auch und gerade hier in diesem Land, wo Kinder unter unwürdigen Umständen leben, gibt es ein Anrecht auf schnelle und gute medizinische Versorgung! Im Caritas Baby Hospital wird Shihab darum kostenlos behandelt, seine Familie könnte sich die Therapien und Medikamente, die er braucht, ja gar nicht leisten. Seit Januar dieses Jahres musste der arme kleine Kerl schon neun Mal ins Spital gebracht werden. Akut leidet er an einer Harnweginfektion, verbunden mit Fieberkrämpfen, uns muss deshalb durch eine Nasensonde künstlich ernährt werden. Auch Nierensteine werden vermutet. Ohne die Hilfe des Kinderspitals Bethlehem hätte er keine Chance. Doch die Ärzte und das Pflegepersonal setzen zusammen mit Shihabs Eltern alles daran, die Krankheit medizinisch bestens zu behandeln und das Leiden zu verringern; einzigartig für die gesamte Westbank.
Mütter sind wichtig
Shihabs Mutter bleibt während der ganzen Behandlungen bei ihrem Sohn. Tag und Nacht. Das ist wichtig für den Heilungsprozess des kleinen Patienten und die Psyche der ganzen Familie. Das Kinderspital Bethlehem setzt stark auf die Einbindung der Mütter. Im Behandlungskonzept spielt darum auch die erweiterte Mütterschule eine wichtige Rolle. So werden die Mütter während des Spitalaufenthaltes ihrer Kinder in Pflege, Ernährung und Hygiene unterrichtet und erhalten wertvolle Tipps für Erste-Hilfe-Massnahmen wie auch Prävention. Zudem kann Caritas Baby Hospital 43 Müttern ermöglichen, rund um die Uhr bei ihren Kindern zu bleiben, was wie gesagt deren Heilungsprozess zusätzlich beschleunigt und den Familien Sicherheit gibt. Darüber hinaus hilft ein Team aus Sozialarbeiterinnen Familien, die in besonders schwierigen Verhältnissen leben. Sie bauen die Bindung zu den Kindern und Müttern bereits während dem Spitalaufenthalt auf. Ihre Arbeit zielt dabei bewusst auf die Hilfe zur Selbsthilfe anstelle von finanziellen Transferleistungen ab, damit keine Abhängigkeiten entstehen.
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